Der Junge im gestreiften Pyjama
Für den neunjährigen Bruno (Asa Butterfield) bricht eine Welt zusammen. Als sein Vater (David Thewlis) in seiner Funktion als SS-Offizier nach Auschwitz versetzt wird, muss Bruno seine Freunde in Berlin zurücklassen und sieht sich in der Einöde seines neuen Zuhauses bodenloser Langeweile ausgesetzt. Schließlich macht er die Bekanntschaft mit einem Jungen namens Schmuel (Jack Scanion), der hinter einem Zaun lebt und stets einen „gestreiften Pyjama“ trägt. Bruno und Schmuel schließen Freundschaft und treffen sich täglich am Zaun. Als Schmuel eines Tages seinen Vater vermisst, entschließt sich Bruno, seinem Freund zu helfen.
Wer Roberto Benignis „Das Leben ist schön“ gesehen und für gut befunden hat, der dürfte angesichts der Inhaltsangabe von „Der Junge im gestreiften Pyjama“ große Augen machen. Denn wie in Benignis Welterfolg steht auch in Mark Hermans Holocaust-Drama ein kleiner Junge im Mittelpunkt. Weitere Ähnlichkeiten sucht der interessierte Cineast allerdings vergebens. Denn anders als Benigni erzählt Herman die Geschichte aus der Perspektive des Jungen und stellt damit gänzlich verschiedene Aspekte in den Vordergrund. Der Zuschauer erlebt das KZ Auschwitz so nämlich durch Kinderaugen, in denen sich die schmutzige Lagerkleidung in Pyjamas verwandelt und der geheimnisvolle Ort hinter dem Zaun eine eigentümliche Anziehungskraft ausübt. Die Grausamkeiten innerhalb des Vernichtungslagers hingegen bleiben zunächst im Verborgenen und fernab jeglicher kindlicher Fantasie. Die Diskrepanz zwischen den Wahrnehmungen des Protagonisten und dem Vorwissen des Zuschauers ist dabei der maßgebliche Grund, der den Film zu einem der ergreifendsten Werke des Genres werden lässt.
Es gibt fraglos einfachere Dinge, als Holocaust-Filme in Szene zu setzen. Überfrachtete Rührseligkeit und moralische Holzhammer-Methoden geschickt zu umschiffen, gehört nämlich nicht unbedingt zum Standard-Repertoire eines jeden Regisseurs. Mark Herman aber hat mit „Der Junge im gestreiften Pyjama“ bewiesen, dass er zu den Virtuosen seines Fachs gehört und sich auch zukünftig für Großtaten empfiehlt. Zumindest wir werden ein Auge auf ihn haben.
Daten:
USA 2008, 94 Minuten, FSK: 12
Regie: Mark Herman
Genre: Drama | Geschichte | Krieg
Darsteller: Làszlo Aron, Amber Beattie, Asa Butterfield, uvm.
Für Fans von:
Das Leben ist schön, Schindlers Liste, Napola
Dieser Film wurde bewertet von:
IMDb: 7,8 von 10
moviepilot.de: 6,4 von 10
Filmstarts.de: 4 von 5
moviemaze.de: 69 von 100%
Filmzitate:
“Soldat zu sein bedeutet: Wo immer dein Land dich braucht, da gehst du hin. Betrachte es als Abendteuer, wie in einem deiner Bücher.”
“Mein Vater ist auch Soldat, aber keiner der den Leuten die Kleidung wegnimmt.”
“Wir dürfen keine Freunde sein, du und ich. Wir sollen Feinde sein.”
Auszeichnungen:
- Vera Farmiga, Beste Hauptdarstellerin bei British Independent Film Awards
- Publikumspreis bei Chicago International Film Festival
Der Junge im gestreiften Pyjama bei Amazon:
auf DVD oder Blu-Ray
Weitere Filme von Mark Herman:
1987 – See You At Wembley
1992 – Irren ist mörderisch
1996 – Brassed Off
1998 – Little Voice
2000 – Purely Belter
2003 – Hope Springs
Links zum Film:
Der Junge im gestreiften Pyjama auf film-zeit.de
Trailer zum Film (deutsch):
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Kommentare zu Der Junge im gestreiften Pyjama
Ein Kommentar
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Oberflächliche und plumpe Darstellung der Deutschen und Juden. Liebe Amis, Hamburg liegt nicht in Bayern… ganz schwacher Film.
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