The Man Who Wasn’t There
Ed Crane (Billy Bob Thornton) lebt ein unauffälliges Leben als Friseur in einer amerikanischen Kleinstadt in den 1940er Jahren. Doch als er sich auf ein Geschäft mit dem zwielichtigen Creighton Tolliver (Jon Polito) einlässt, gerät Cranes beschauliches Dasein aus den Fugen. Um sich das Startkapital zu beschaffen, wird er zum Erpresser seines Bosses Big Dave (James Gandolfini), den er in der Folge in Notwehr ersticht. Wird zunächst Cranes Frau (Frances McDormand) für den Mord angeklagt, ist es bald Crane selbst, der vor Gericht steht.
Wäre Ed Crane ein einfacher Friseur geblieben, dann wäre ihm zwar viel Kummer und Leid erspart worden, den Zuschauern wäre allerdings ein schwarz-humoriges Glanzstück entgangen. Denn wie Crane sich Stück für Stück sein eigenes Grab schaufelt und von einem (mal selbstverschuldeten, mal zufälligen) Unglück ins nächste gerät, ist in vielerlei Hinsicht geradezu ein Genuss. Denn neben einer Vielzahl von grandios aufgelegten Schauspielern (u.a. noch Scarlett Johansson in einer kuriosen Nebenrolle) hat der in schwarz-weiß gehaltene Film einen originellen Plot zu bieten, der sich Coen-typisch zwischen Karikatur und Drama bewegt. Die Anleihen in Sachen Charakterzeichnung beim Film noir sind zwar unzweifelhaft, gehen allerdings bei der Fülle der skurrilen Figuren etwas unter. Doch „The Man Who Wasn’t There“ versteht sich auch nicht so sehr als bloße Satire, sondern nimmt seine Charaktere in ihrem Unglück ernst und überlässt es letztendlich dem Zuschauer selbst, das Genre für sich zu bestimmen.
Coen-Filme wie der moderne Klassiker „Fargo“ oder der Oscar-prämierte „No Country for Old Men“ gehören zur Filmhistorie wie Brando als Vito Corleone. „The Man Who Wasn’t There“ allerdings führt unter all den großen Filmen des Brüderpaares ein Schattendasein, den man selbst als ausgemachter Coen-Fan oftmals nicht auf der Rechnung hat. Und dabei gehört der Film zu den tatsächlichen Perlen im Gesamtwerk der Brüder, den sich niemand entgehen lassen sollte, der ab und wann auch einmal einen guten Film sehen will.
Daten:
USA 2001, 112 Minuten, FSK: 12
Regie: Joel Coen
Genre: Krimi | Drama
Darsteller: Billy Bob Thornton, Frances McDormand, Michael Badalucco, uvm.
Für Fans von:
Coffee and Cigarettes, Dead Man, Down by Law, Barton Fink
Dieser Film wurde bewertet von:
IMDb: 7,7 von 10
Filmstarts.de: 4 von 5
moviepilot.de: 7,6 von 10
moviemaze.de: 82 von 100%
Filmzitate:
“Ich wählte von allen Bewerbern denjenigen, der beim Einstellungsgespräch am wenigsten redete. Später stellte sich heraus, dass er nur aus Nervosität so still gewesen war.”
“Je genauer man etwas betrachtet, desto weniger weiß man.”
“Das Leben hat mir schlechte Karten gegeben aber vielleicht hab ich sie auch nur falsch gespielt, ich weiß es nicht.”
“Ich, ich rede nicht viel ich schneide nur die Haare.”
Auszeichnungen:
- Regiepreis für Joel Coen bei den internationalen Filmfestspiele von Cannes 2001
- BAFTA-Award für den Kameramann Roger Deakins
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auf DVD oder Blu-Ray
Weitere Filme von Ethan und Joel Coen:
1984: Blood Simple
1987: Arizona Junior
1990: Miller’s Crossing
1991: Barton Fink
1994: Hudsucker – Der große Sprung
1996: Fargo
1998: The Big Lebowski
2000: O Brother, Where Art Thou?
2003: Ein (un)möglicher Härtefall
2004: Ladykillers
2006: Paris, je t’aime
2007: No Country for Old Men
2008: Burn After Reading
2009: A Serious Man
Trailer zum Film:
Statistik: 13.029 mal gelesen seit dem 11. August 2010
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Kommentare zu The Man Who Wasn’t There
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gute Filme



Für mich eine der traurigsten aber auch schönsten (bzw. tiefsten…im positiven Sinne) Verbeugungen vor dem Noir-Genre:
Billy Bob Thornton in seiner wohl eindrücklichsten Rolle als lakonischer Haare schnibbelnder Melancholiker, James Gandolfini variiert seinen Tony Soprano als eiskalten Geschäfts(Gewalt-)mann, Tony Shalhoub gibt den aalglatten Anwalt der ganz un-monkig die Worte sprudeln lässt und schon Jahre vor BREAKING BAD die Heisenbergische Unschärfe-Theorie anschaulich auf den Punkt bringt.
Scarlett Johansson gibt die minderjährige piano-virtuose Lolita und als ob das nicht alles schon toll genug wäre verwirren uns die Coens mit einem neben der eigentlichen Plotspur wabernden, nebulösen Mysterium das fast schon als eine separate David-Lynch-Hommage gelesen werden kann. Grandios und verdammt traurig!
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