Mann beißt Hund
Ben (Benoît Poelvoorde), von „Beruf“ Serienkiller, wird von einem Kamera-Team begleitet, das einen Dokumentarfilm über ihn dreht. Dabei werden neben den selbstdarstellerischen Allüren auch eine Reihe von Morden aufgezeichnet, die Ben im Laufe weniger Wochen begeht. Das Film-Team hält sich während der Taten im Hintergrund und kommt Bens Opfern nicht zu Hilfe, um den Realismus der Dokumentation zu bewahren. Bald steht das Film-Team selbst unter Beschuss und gerät in Lebensgefahr – die Show geht allerdings weiter.
Schon der Inhalt verrät, dass es sich bei „Mann beißt Hund“ um einen besonderen Film handelt. Denn der Zuschauer bekommt nicht das Drumherum, sondern allein die Fake-Dokumentation selbst zu sehen, was bei so manchem Kino-Naivling für Irritationen sorgen könnte. Denn im Gegensatz zu manch bekannt-braver Medien-Schelte im Hollywood-Gewand, packt der belgische Regisseur Rémy Belvaux in Form von „Man beißt Hund“ den Hammer aus. Ein Dokumentarfilm über einen Mörder holt nämlich den Zuschauer mit ins Boot. Denn als Voyeur wohnt er erst den zuweilen absurd-komischen Monologen Bens bei, in denen er mal über Architektur, mal über das Versenken von Leichen philosophiert, um ihm kurze Zeit später über die Schulter zu schauen, wie er eine Rentnerin auf bestialische Art und Weise ermordet. Härter geht es kaum. Denn über das Kamera-Team, das als schweigender Mittäter zum Mittler wird, richtet sich die Frage nach moralischer Bewertung ohne Umwege an den Zuschauer, der aufgrund des fraglos vorhandenen Entertainment-Faktors von vornherein überfordert scheint. Der Film geht demnach weit über die übliche Medienkritik hinaus und ist vielmehr als philosophisch-psychologischer Angriff auf den sich für moralisch haltenden Zuschauer zu bewerten.
Keine Frage, „Mann beißt Hund“ ist ein echtes Pfund von Film, das wohl jedem Kino-Fan zunächst einmal im Halse stecken bleibt. Alle, die auf der Suche nach ein wenig Abend-Unterhaltung sind, sollten deswegen einen Bogen um den Film machen. Cineasten, die hingegen in einem Film eine Herausforderung suchen, sind mit „Mann beißt Hund“ an der absolut richtigen Adresse.
Daten:
Belgien 1992, 95 Minuten, FSK: 18
Regie: Rémy Belvaux
Genre: Komödie | Krimi | Drama
Darsteller: Benoît Poelvoorde, Jacqueline Poelvoorde Pappaert, uvm.
Für Fans von:
Muxmäuschenstill, Hass, Down by Law
Dieser Film wurde bewertet von:
IMDb: 7,6 von 10
moviepilot.de: 7,6 von 10
Filmstarts.de: 4,5 von 5
moviemaze.de: 85 von 100%
Filmzitate:
“Die Kälte erkämpft sich ihr Recht, gegen das letzte Zucken des Sommers.”
“Es kommt der Augenblick, da stelzt du das alles in Frage.”
Auszeichnungen:
- Der Film gewann sechs Preise, darunter einen SACD Award bei den Filmfestspielen von Cannes.
Mann beißt Hund bei Amazon:
auf DVD oder Blu-Ray
Weitere Filme von Rémy Belvaux:
1987: No C4 for Daniel-Daniel
Trailer zum Film (deutsch):
3.456 Aufrufe seit dem 25. Februar 2011
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