Drama

Die besten Dramen

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Den Anfang macht 2016 „Toni Erdmann“. Im tragikomischen Film von Maren Ade nimmt Winfried (Peter Simonischek) nach langer Zeit Kontakt zu seiner Tochter Ines (Sandra Hüller) auf und versucht, die Beziehung zu ihr zu verbessern. Doch Ines legt keinen Wert darauf und ist erleichtert, als ihr Vater bald darauf abreist – wie sie denkt. Doch schon kurz darauf taucht er mit einer schlechten Perücke wieder auf und gibt sich als Toni Erdmann aus und drängt sich auf groteske Weise in Ines‘ Leben. Das Familien-Drama mit skurrilen Zügen ist ein echter Überraschungshit!

„Vor der Morgenröte“ zeichnet die letzten Jahre Stefan Zweigs (Josef Hader) nach. Als Jude aus Deutschland Mitte der 1930er geflüchtet, verbringt er einen Großteil der kommenden Jahre in Südamerika, wo er als großer Europäer und Schriftsteller empfangen wird. Doch die Zweigs leiden unter der Entwurzelung und kommen nur schwer mit ihrem neuen Leben zurecht. Wir sagen: Starkes Biopic-Drama von Maria Schrader, das einmal mehr die Wandlungsfähigkeit von Josef Hader beweist.

Eher enttäuschend ist hingegen Thomas Vinterbergs „Die Kommune“. Zwar ist das Ehe-Drama kein kompletter Reinfall. Angesichts der hochkarätigen Besetzung (Ulrich Thomsen, Trine Dyrholm) bleibt Vinterberg allerdings so manches schuldig. Dabei überrascht vor allem, wie gewöhnlich der Dogma-Regisseur die Geschehnisse in Szene setzt. Wir sagen: Ein Film, den man leider nicht lange in Erinnerung behalten wird.

Unser Indie-Tipp des Jahres heißt „The Ticket“. Die Story: Der blinde James (Dan Stevens) erlangt sein Augenlicht zurück und beginnt sich ausschließlich für Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten zu interessieren. Bald erkennen ihn seine Frau und seine Freunde nicht mehr wieder und wünschen sich den blinden James zurück.

Das vielschichtige Western-Thriller-Drama „The Revenant“ ist 2015 fraglos das ganz große Highlight. Leonardo DiCaprio, der sich als Hugh Glass durch die Wildnis kämpfen muss, um seiner Rache frönen zu können, zeigt eine eindrucksvolle Vorstellung und heimste in der Folge seinen ersten Acadamy Award ein. Alejandro González Iñárritu konnte nach „Birdman“ von 2014 gar seinen zweiten Regie-Oscar in Folge einfahren und hat sich damit unsterblich gemacht. Allein deswegen sollte jeder Cineast „The Revenant“ auf der Rechnung haben.

Das Abenteuer-Drama „Der Schamane und die Schlange“ führt Jan „Borgman“ Bijvoet ebenfalls in die Wildnis. Als Theodor Koch-Grünberg reist er in den Dschungel des Amazonas und möchte das Verhalten der dort lebenden Eingeborenen erforschen. Zudem erhofft er sich, durch das Wissen der Schamanen von seinen seelischen Ängsten geheilt werden zu können. Bald freundet er sich mit dem Schamanen Karamakate an und begibt sich auf eine spirituelle Reise. Wir sagen: Starke, ehrliche Bilder, die an den frühen Werner Herzog erinnern.

In „Spotlight“ geht es um eine Gruppe von Journalisten, die den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Boston aufdecken. Dabei steht nicht zuletzt die Recherche-Arbeit im Mittelpunkt der Inszenierung und erinnert an dialoglastige Filme wie „Zodiac“ oder „Hurricane“. Mit u. a. Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber und Stanley Tucci überzeugt „Spotlight“ zudem nicht zuletzt mit seinem illustren Cast.

Überraschungshit des Genre-Jahres ist fraglos Lenny Abrahamsons „Room“. Die Story: Joy (Brie Larson) und ihr kleiner Sohn (Jacob Tremblay) werden von einem Mann bereits seit Jahren in einem Raum festgehalten. Schließlich gelingt den beiden die Flucht. Doch das emotionale Wiedersehen mit der Familie und die neugewonnene Freiheit machen den beiden schwer zu schaffen.

Los geht es 2014 mit David Finchers Krimi-Drama „Gone Girl“. Die Story: Nick Dunne (Ben Affleck) und seine Frau Amy (Rosamund Pike) führen eine dem Anschein nach perfekte Ehe. Doch die beiden haben mit finanziellen Problemen zu kämpfen und kehren schließlich in Nicks Heimatort zurück. Am fünften Hochzeitstag meldet Nick seine Frau als vermisst und die Polizei übernimmt die Ermittlungen. Zunächst sieht es nach einer Entführung aus. Doch schon bald gerät Nick selbst in den Mittelpunkt der Untersuchung.

Auf den ersten Blick ist „Boyhood“ ein Coming-of-Age-Film wie jeder andere. Mason Evans‘ (Ellar Coltrane) Erwachsenwerden hat Regisseur Richard Linklater allerdings unter ganz besonderen Voraussetzungen in Szene gesetzt. Der Film ist nämlich über einen Zeitraum von neun Jahren entstanden und zeigt das Aufwachsen der Hauptfigur gewissermaßen in Echtzeit. Wir sagen: Bereits wegen der Produktionsumstände eines der ganz großen Genre-Highlights des Jahres.

„Whiplash“ erzählt die Geschichte des talentierten Schlagzeugers Andre Newmann (Miles Teller), der an einer renommierten Musikschule angenommen wird und auf Lehrer Terence Flechter (J. K. Simmons) trifft. Flechters Lehrmethoden gehen an die Grenzen des Vertretbaren und fordern Newmann alles ab. Simmons geht mit der Darstellung seiner Figur in die Vollen und sorgt dafür, dass Regisseur Damien Chazelle 2014 einen echten Hit landet.

In der tragikomischen Farce „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ wird die Karriere von Schauspieler Michael Keaton, der als Batman-Darsteller seinen größten Erfolg feierte, auf die Schippe genommen. In Alejandro González Iñárritus Film spielt Keaton einen abgehalfterten Schauspieler, der einst als Comic-Held Birdman groß rauskam und zunehmend mit seiner Figur verschmilzt. Oscar für Iñárritu!

Das Biopic-Drama „The Wolf of Wall Street“ ist 2013 ganz weit vorn und so etwas wie die ausgeflippte Version von Oliver Stones „Wall Street“. Die Story: Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) fängt in den 80er Jahren als kleiner Börsen-Heini an und arbeitet sich nicht zuletzt dank der Hilfe des exzentrischen Mark Hanna (Matthew McConaughey) zum millionenschweren Börsenmakler hinauf. Doch wo das Geld ist, sind krumme Geschäfte, Drogen und das FBI nicht weit.

Matthew McConaughey zum Zweiten gibt es in „Dallas Buyers Club“. In Jean-Marc Vallées Drama erhält McConaughey als Ron Woodroof Mitte der 1980er eine niederschmetternde AIDS-Diagnose. In der Folge versucht er, an Medikamente im Versuchsstadium zu gelangen, um seine Überlebenschancen zu erhöhen. Und schon bald wird ihm klar, dass mit dem Schmuggel jener Medikamente zudem der eine oder andere Dollar zu verdienen ist. Beindruckend hierbei ist vor allem Matthew McConaugheys Erscheinungsbild, der sich für die Verkörperung seiner Figur einer mehr als sichtbaren Hungerkur unterzog.

„12 Years a Slave“ erzählt die Geschichte des Afroamerikaners Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), der Mitte des 19. Jahrhunderts als freier Mann in New York lebt und seinen Unterhalt als Geigenspieler verdient. Über Umwege gerät er allerdings in die Hände von Sklavenhändlern und findet sich bald auf einer Farm in New Orleans wieder. Dort muss er unter unmenschlichen Zuständen Arbeit für seine Käufer verrichten. Wir sagen: Das wohl eindringlichste und wichtigste Hollywood-Drama des Jahres!

Eher eine Nummer kleiner, jedoch mit feiner humoristischer Note geht es in „Inside Llewyn Davis“ zu. Im grau bebilderten Drama der Coen-Brüder sucht Folk-Musiker Llewyn Davis im New York der 60er seine Bestimmung und versucht, einen lukrativen Plattenvertrag zu ergattern. Doch das Glück ist nicht auf seiner Seite.