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Die Freunde Jan und Peter (Daniel Brühl und Stipe Erceg) verabscheuen den Kapitalismus. Deswegen brechen sie des Nächtens in reichen Wohnvierteln in Häuser ein und stellen als Zeichen des Widerstands die Möbel um – ohne etwas zu stehlen. Als Peters Freundin Jule (Julia Jentsch) von den Aktionen erfährt und teilhaben will, gerät die Situation außer Kontrolle. Sie werden bei einem Einbruch vom wohlhabenden Alt-68er Hardenberg (Burghart Klaußner) überrascht und entführen ihn in eine einsame Berghütte. Dort entbrennt ein existenzieller Diskurs über Ideale und deren Beständigkeit.

Warum ihr diesen Film sehen solltet

Werden alle Vorurteile, die so mancher Cineast gegenüber deutschen Filmen hegt, überwunden, könnte man ohne weiteres zur Ansicht gelangen, dass Hans Weingartners in aller Welt gelobtes Kammerspiel zu den besten Filmen der 2000er Jahre gehört. Denn: Die vier Hauptdarsteller verleihen ihren Figuren eine selten erlebte Glaubwürdigkeit, die Dialoge entwickeln sich logisch-nachvollziehbar und zudem gibt der Film seinen Zuschauern noch etwas mit, über das sie – wenn sie denn wollen – ihr ganzes Leben lang nachdenken können. Hier wird nämlich fern ab vom Che Guevara-Klischee laut über die Nützlichkeit und Anwendbarkeit von Freiheitsidealen philosophiert und wie diese in der Lebensplanung eines Menschen untergehen können. Und dabei schafft es der Film, die Gefahren eines Lehrstücks zu umgehen und weder zu verkopft noch zu ungestüm anzumuten – selbst Altmeister Volker Schlöndorff könnte sich hiervon eine (bedenklich dicke) Scheibe abschneiden.

„Die fetten Jahre sind vorbei“ gehört zu jenen Produktionen des jungen deutschen Kinos, die mehr sind als bloßes melancholisches Porträt der perspektivlosen Mittzwanziger. Ähnlich des ebenfalls großartigen „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ mutet sich der Film nämlich eine Definition der Motivationen seiner Protagonisten zu, was ihn unverwechselbar zu einem wahren Glanzstück erhebt. Und neben all den zuweilen aus fragwürdigen Gründen gefeierten deutschen Filmen der Neuzeit bleibt „Die fetten Jahre sind vorbei“ dennoch ein kleiner Film, der seinen ganz eigenen Ansatz findet, ohne sich im Sog der zu einem Trend gewordenen Zeitgeschichtsaufarbeitung zu verlieren.


Daten:

Deutschland, Österreich 2004, 127 Minuten, FSK: 12
Regie: Hans Weingartner
Genre: Krimi | Drama
Darsteller: Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, uvm.


Für Fans von:

Ein Freund von mir, Muxmäuschenstill, Free Rainer



Dieser Film wurde bewertet von:

IMDb: 7,6 von 10
Filmstarts.de: 4,5 von 5
moviepilot.de: 7,1 von 10


Filmzitate:

„Kiffen zerstört die revolutionäre Kraft der Jugend!“

„Wer unter 30 nicht links ist hat kein Herz, und wer mit über 30 immer noch links ist hat keinen Verstand!“

„Ich hab gesagt, ihr sollt renovieren und nicht ficken!“



Auszeichnungen:

  • 2004: Bayerischer Filmförderpreis
  • Auszeichnungen in Silber beim Deutschen Filmpreis als Bester Spielfilm und Burghart Klaußner als Bester Nebendarsteller



Die fetten Jahre sind vorbei bei Amazon:

auf DVD oder Blu-Ray


Weitere Filme von Hans Weingartner:

1993: J-Cam
1995: Der Dreifachstecker
1999: Frank
2001: Das weisse Rauschen
2007: Free Rainer – Dein Fernseher lügt
2009: Gefährder