Kriegsfilme

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2017 steht das Genre ganz im Zeichen von Christopher Nolan. Mit seinem Anti-Kriegsfilm „Dunkirk“ erzählt er die Geschichte der Operation Dynamo, die als spektakulärste Rettungsaktion des Zweiten Weltkrieges in die Geschichte eingegangen ist. Mit von der Partie sind u. a. Tom Hardy und Cillian Murphy. Interessant: Anders als vielfach im Vorfeld erwartet, hat Nolan seinen Film nicht als ausladendes Epos angelegt. Mit einer Spielzeit von weniger als zwei Stunden lässt der vielleicht beste Film des Jahres alle unnötigen Anhängsel links liegen.

Satirische Wege schlägt hingegen Regisseur David Michod mit „War Machine“ ein und serviert einen Film, der vollends auf Hauptdarsteller Brad Pitt zugeschnitten ist. Als General Glen McMahon soll Pitt im Afghanistan-Krieg den US-amerikanischen Streitkräften Beine machen. Doch der ins Stocken geratene Feldzug gerät immer mehr zu einem Desaster. Trotz einiger dramaturgischer Schwächen gehört die Produktion klar zu den besten Genre-Filmen des Jahres.

Obwohl kein eigentlicher Kriegsfilm gehört Joe Wrights „Die dunkelste Stunde“ ebenfalls zu den Highlights des Genres. Erzählt wird die Biographie von Winston Churchill, der während des Zweiten Weltkrieges zum schärfsten Widersacher Nazi-Deutschlands aufsteigt. Gary Oldman brilliert dabei in der Rolle des knorrigen Premierministers.

Das Schicksal eines einzelnen Soldaten stellt „Sand Castle“ in den Mittelpunkt. Infanterist Matt Ocre (Nicholas Hoult) versucht zunächst alles, um den Schrecken des Irakkrieges zu entgehen. Doch schließlich wird er doch in die Kampfzone versetzt und muss erste Schreckensbilder verarbeiten. Bald scheinen sich seine moralischen Grundsätze in Luft aufzulösen. Wir sagen: Ein überraschend eindringliches Kriegsportrait. Damit ist „Sand Castle“ so etwas wie der Genre-Geheimtipp des Jahres.

Michael Bay zeichnet in „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ zwar keinen klassischen Kriegsfilm, nutzt die Nachkriegslage in Libyen allerdings für einen actiongeladenen Kommentar zur sog. „Bengasi-Affäre“. Die Story: Die provisorische US-Botschaft in Libyen wird Ziel eines terroristischen Angriffes und bedarf militärischer Hilfe. Eine Spezial-Truppe der CIA macht sich auf den Weg, die Diplomaten zu retten. Koste es, was es wolle.

„Free State of Jones“ spielt hingegen nicht in üblichen zeitlichen und geographischen Gefilden. Kein Irak, kein Afghanistan, kein Vietnam und auch kein Nazi-Deutschland. Vielmehr begehrt Matthew McConaughey zu Zeiten des US-amerikanischen Bürgerkrieges auf und will sich und seine Kameraden nicht länger als Kanonenfutter sehen. Unabhängig von politischen Ansichten schart er als Newton Knight weitere Abtrünnige, Frauen und entlaufende Sklaven um sich, um für das einzige zu kämpfen, was seiner Meinung nach Sinn ergibt: Freiheit.

Der Flop des Jahres steht möglicherweise erst noch in den Startlöchern. Mit „USS Indianapolis: Men of Courage“ wartet Mario van Peebles (wahrscheinlich) in diesem Jahr noch mit einer sonderbaren Mischung aus Kriegs- und Überlebensdrama auf. Nach dem Untergang ihres Kriegsschiffes muss eine Gruppe von Soldaten auf Rettungsboten ausharren und Hunger und Durst trotzen. Im Mittelpunkt stehen allerdings nicht zuletzt Haiattacken, die den Film wie eine (sehr eigene) Version von „Jaws“ erscheinen lassen. Ein endgültiges Urteil bleibt zwar aus. Doch wir erwarten kein Highlight, da zudem Nicolas Cage mit an Bord ist, dessen beste Zeit bekanntlich schon eine Weile zurückliegt.

Ebenfalls noch in der Pipeline, allerdings wesentlich interessanter scheint da Ang Lees „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“ zu sein. Die Story: Billy Lynn kehrt nach seinem Irak-Einsatz zurück in die Heimat und wird als Held gefeiert. Doch in Rückblenden erfährt der Zuschauer die erschütternde Wahrheit über die Kriegshandlungen, die nicht viel mit den Wahrnehmungen in der Heimat gemeinsam haben. Voraussichtliches Erscheinungsdatum in Deutschland: 10. November.

2015 dreht die Actionschraube ein wenig zurück und konzentriert sich auf die dramatischen Elemente des Genres. In „Beasts of No Nation“ erzählt Regisseur Cary Joji Fukunaga die erschütternde Geschichte des kleinen Agu, der in einem afrikanischen Bürgerkriegsland den Kriegswirren nicht entkommen kann und letztlich als Kindersoldat an Gräueltaten beteiligt ist. Fernab vom scheinbar sauberen Drohnenkrieg bewegt sich der Film in schreckenshaften Visionen menschlicher Verzweiflung.

Der Krieg in Afghanistan ist hingegen Mittelpunkt des Kriegsdramas „A War“ von Tobias Lindholm. In der dänischen Produktion gerät eine Militäreinheit in einen Hinterhalt der Taliban und damit in höchste Lebensgefahr. Neben den eigentlichen Gefechten konzentriert sich der Film dabei nicht zuletzt auf die zwischenmenschlichen Probleme der Soldaten und der bangenden Familienmitglieder in der Heimat. Wir sagen: Ein sehenswerter Kommentar zum mittlerweile oft bebilderten Afghanistankrieg.

Ebenfalls eine dänische Produktion befasst sich mit den unmittelbaren Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Die Story: Kurz nach dem Ende des Krieges werden junge deutsche Kriegsgefangene damit beauftragt, Minen an der dänischen Küste zu räumen. Dabei werden sie von Ebbe Jensen instruiert, jedoch letztlich sich selbst überlassen. Nach ersten tödlichen Explosionen stellt sich Jensen bald die Frage, ob die Vorgehensweise moralisch zu vertreten ist. Das mit Coming-of-Age-Elementen versehene Kriegsdrama rührt zu Tränen!

Einen kritischen Blick auf die Einsatzgebiete von Drohnen bietet „Eye in the Sky“. Im britischen Kriegsthriller von Gavin Hood erhält Colonel Powell (Helen Mirren) den Auftrag, eine Gruppe von Terroristen dingfest zu machen. Um mehr über die Gruppe herauszufinden, werden eine Reihe fortschrittlicher Drohnen eingesetzt, die für allerhand spektakuläre Bilder sorgen. Doch als sich bald Zivilisten dem Zielgebiet nähern, stellen sich moralische Fragen.

Damit gehört 2015 fraglos zu den abwechslungsreichten Jahren des Genres überhaupt!

2014 steht ganz im Zeichen des US-amerikanischen Kriegspathos. Clint Eastwood, Angelina Jolie, David Ayer und George Clooney erzählen von den kleinen und großen Schlachten des inneren und äußeren Krieges nach mehr oder weniger wahren Begebenheiten. Dass dabei manches Wort der Protagonisten über das Ziel hinausschießt, ist gewissermaßen zwangläufig und daher zu verkraften.

Den Anfang macht „Herz aus Stahl“, in dem die Besatzung eines Panzers in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges durch die Hölle geht. Spannungsgeladene Actionsequenzen und Brad Pitt als beharrlicher Anführer Don Collier stehen dabei im Mittelpunkt. Clint Eastwood hingegen zeichnet in „American Sniper“ die Lebensgeschichte von Chris Kyle nach, der während des Irakkrieges als Scharfschütze von sich reden macht und bald als Experte für schwierig auszuschaltende Ziele gilt. Bradley Cooper mimt Kyle in dem kontrovers betrachteten Kriegsdrama mit Bravour.

Dass leiser Humor in Kriegsfilmen funktionieren kann, zeigt Clooneys „Monuments Men“, der in seinen besten Momenten an Werke der Coens erinnert. Die Geschichte um Lt. Frank Stokes (auch Clooney), der mit seinen Männern während des Zweiten Weltkrieges auszieht, um in Deutschland Kunstgegenstände vor der Zerstörung zu bewahren und ihren eigentlichen Besitzern zuzuführen, überzeugt durchweg. Mit Matt Damon, Billy Murray und John Goodman sind zudem weitere Hollywood-Schwergewichte mit an Bord.

Angelina Jolie liefert mit „Unbroken“ eine stimmige Mischung aus Kriegs- und Sportlerdrama. Die Story: Louis Zamperini macht als Läufer bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin auf sich aufmerksam und wird mit Beginn des Zweiten Weltkrieges eingezogen. Schließlich gerät er in japanische Kriegsgefangenschaft und wird von den Japanern für Propagandazwecke eingespannt. Interessant: Am Drehbuch haben Joel und Ethan Coen mitgeschrieben!

2013 bietet unterschiedlichste Perspektiven auf das weltweite Kriegsgeschehen der letzten Jahre. In „Lone Survivor“ erzählt Peter Berg die Geschichte von vier Elitesoldaten (u. a. Mark Wahlberg), die in Afghanistan einen führenden Taliban ausschalten sollen. Dabei geraten die Soldaten allerdings in eine unvorhergesehene Situation und müssen schließlich um ihr Leben kämpfen. Das nach „wahren“ Begebenheiten konzipierte Drehbuch spart dabei USA-typisch nicht mit würzendem Pathos, ist allerdings wesentlich vielschichtiger als auf den ersten Blick vermutet.

Mit „Unsere Mütter, unsere Väter“ überrascht Philipp Kadelbachs Großproduktion 2013 das Genre. In drei Teilen (insgesamt 270 Minuten) zeichnet der Film die Schicksale von fünf Freunden nach, die sich in den Wirren des Zweiten Weltkrieges u. a. als Soldaten (Tom Schilling u. m.) und Krankenschwestern durchschlagen müssen. Dabei bietet das Epos einen kaleidoskopischen Blick über das Geschehen während des Krieges und gehört fraglos zu den sehenswertesten deutschen Produktionen des gesamten Jahrzehnts.

Der Roman „Das große Heft“ von Ágota Kristóf erregte Zeit seines Erscheinens große Aufmerksamkeit. Regisseur János Szász liefert 2013 die Verfilmung der Geschichte um ein Zwillingspaar, das sich in Kriegszeiten zunehmend der moralischen Verwahrlosung ihrer Umgebung anpasst und zu gefühlskalten Jugendlichen heranwächst. Das psychologische Kriegsdrama ist in jedem Falle nichts für Zartbesaitete!

Die Kriegsdokumentation „Dirty Wars“ beschäftigt sich hingegen mit den zuweilen fragwürdigen Machenschaften der US-Regierung im Zuge des Kriegs gegen den Terror. Journalist Jeremy Scahill stellt unangenehme Fragen und die Darstellungen in den Medien fern ab von selbstgefälligen Verschwörungstheorien in Frage. Dass hierbei nicht zuletzt US-Politiker im Kreuzfeuer stehen, versteht sich natürlich von selbst.