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Ines Conradi (Sandra Hüller) macht als Unternehmensberaterin Karriere und befindet sich für einen Auftrag in Bukarest. Unvermutet erhält sie von ihrem Vater Winfried (Peter Simonischek) Besuch, der die Beziehung zu seiner Tochter verbessern will. Ines lädt ihren Vater zu einem geschäftlichen Empfang ein, auf dem sich Winfried mit seinem skurrilen Verhalten in den Mittelpunkt rückt. So ist Ines letztlich froh, dass ihr Vater nur wenige Tage später abreist. Doch schon bald taucht er in absurder Verkleidung als Toni Erdmann wieder auf und sorgt für tragikomische Verwicklungen.

Warum ihr diesen Film sehen solltet

Während der durchschnittlich- sehenswerte Kino-Film zumeist auf einer einzelnen Erzählebene basiert, also z. B. entweder unterhält oder kritische Töne anschlägt, gelingt es wenigen Ausnahmefilmen, zwei Ebenen virtuos miteinander zu verbinden. „Toni Erdmann“ ist in dieser Hinsicht eine tatsächlich ungewöhnliche Erscheinung. Der Film von Maren Ade verfügt nämlich über gleich drei Erzählebenen, die dank der 160 Minuten Spielzeit in vollem Umfang zur Entfaltung kommen. Zum einen funktioniert „Toni Erdmann“ als grandioses Familiendrama, in dem ein Vater und seine Tochter verzweifelt nach Kommunikationswegen suchen, um ihr verwinkeltes Beziehungsgeflecht aufarbeiten zu können. Zum anderen erscheint der Film aufgrund der skurrilen Figur des Toni Erdmann als eine Art Groteske, in der sich übliche Situationskomik in Anti-Humor verkehrt und das herausgeforderte Publikum oftmals vor der Frage steht, was nun eigentlich den Ausdruck von Spaß und den von Schmerz unterscheidet.

Darüber hinaus legt Regisseurin Ade großen Wert auf eine latente Kapitalismus-Kritik, die klug in die Beziehungstragikomödie eingebunden ist. Die Unfähigkeit Ines‘ ihre eigenen Handlungsmotive und die ihres Vater zu ergründen, geht schließlich auf das seelenlose Gewinnstreben ihrer näheren beruflichen Umgebung zurück. Damit gehört „Toni Erdmann“ gemeinsam mit Sebastian Schippers „Victoria“ zu den sensationellen Erneuerern der deutschen Kinolandschaft. Mehr noch: „Toni Erdmann“ muss zu den sehenswertesten Film-Produktionen gezählt werden, die das 21. Jahrhundert bis hierhin hervorgebracht hat.

Laut Regisseurin Maren Ade geht die Figur des Toni Erdmann zu großen Teilen auf Andy Kaufmans Kunstfigur Tony Clifton zurück. An dieser Stelle sei daher noch Miloš Formans Meisterwerk „Der Mondmann“ empfohlen, das die Lebensgeschichte des früh verstorbenen Entertainers erzählt.


Daten:

GER/AUT 2016, 160 Minuten, FSK: 12
Regie: Maren Ade
Genre: Tragikomödie | Drama
Darsteller: Sandra Hüller, Peter Simonischek, Michael Wittenborn, uvm.


Für Fans von:

Über und das All, Brownian Movement, Elle


Dieser Film wurde bewertet von:

IMDb: 7.7 von 10
moviepilot.de: 7.7 von 10
Filmstarts.de: 5.0 von 5


Auszeichnungen:

  • Vier Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis.
  • Zwei Auszeichnungen beim Bayrischen Filmpreis.
  • Eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.



Weitere Filme von Maren Ade:

2003: Der Wald vor lauter Bäumen
2009: Alle anderen