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schlechtärgerlichschwachnicht besondersgeht soganz gutsehenswertausgezeichnetherausragendLieblingsfilm 7,14 von 10 (114x bewertet)
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Während des Zweiten Weltkrieges sollen die Einwohner eines vornehmlich von Juden bewohnten Dorfes deportiert werden. Um diesem Schicksal zu entgehen, schlägt Schlomo (Lionel Abelanski) vor, die Deportation vorzutäuschen und mit einem eigenen Zug Richtung Palästina zu fahren. Kurzerhand werden Wagons samt Lokomotive herangeschafft, Uniformen geschneidert und Dienstgrade verteilt. Mit Beginn der Fahrt stehen die eigentlichen Gefahren jedoch noch bevor. Misstrauische SS-Soldaten und übereifrige Widerstandskämpfer, welche die Weiterfahrt des Zuges mit allen Mitteln verhindern wollen, lassen den Weg in die Freiheit nämlich zu einer beschwerlichen Reise werden.

Warum ihr diesen Film sehen solltet

Holocaust und Humor in einem Film zusammenzubringen, ohne dabei fragwürdig-peinliche Tendenzen offenbar werden zu lassen, gehört definitiv zu den eher anspruchvolleren Herausforderungen des Filmgeschäfts. Pauschal stehen Komödien schließlich nicht unbedingt im Ruf, den wirklich gewichtigen Dingen des Lebens eine entscheidende Note anfügen zu können. Dass Radu Mihaileanus „Zug des Lebens“ Deportation neben Dialog-Witz stellt, dürfte daher dem einen oder anderen Cineasten befremdlich erscheinen. Umso mehr, da der Film seine Komik wesentlich expliziter zum Ausdruck bringt als etwa Roberto Benignis „Das Leben ist schön“.

Als klamaukartige Geschmacklosigkeit ist „Zug des Lebens“ jedoch unter keinen Umständen zu verstehen. In der Tradition des jüdischen Humors tragen die absurd-komischen Verwicklungen nämlich stets unterschwellig tragischen Charakter in sich und ermöglichen so eine ernsthafte und gleichsam ernstzunehmende Reflektion. Der Film ist demnach vor allem für jene Cineasten geeignet, die abseits vom in vielerlei Hinsicht bedrückenden Hollywood-Holocaust-Pathos das spezielle Thema aus einer anderen Perspektive betrachten wollen, die dem Grauen des Zweiten Weltkriegs eine mehr menschliche, weil eben persönliche Seite verleiht.

Wer Gefallen an „Zug des Lebens“ findet, dem sei an dieser Stelle Danis Tanovics Kriegs-Drama „No Man’s Land“ empfohlen, das die Wirren des Bosnienkrieges in ähnlicher Art und Weise überspitzt darstellt. Im Gegensatz zu Radu Mihaileanu hat Tanovic seinem Film allerdings eine Portion Zynismus beigemengt, die beide Werke im Wesen voneinander unterscheidet.


Daten:

Frankreich, Belgien, Niederlande, Israel, Rumänien 1998, 103 Minuten, FSK: 6
Regie: Radu Mihaileanu
Genre: Romanze | Krieg | Komödie | Drama
Darsteller: Lionel Abelanski, Rufus, Clément Harari, uvm.


Für Fans von:

Das Leben ist schön, Der Pianist, Hotel Ruanda


Dieser Film wurde bewertet von:

IMDb: 7,6 von 10
moviepilot.de: 7,3 von 10
Filmstarts.de: 3,8 von 5


Filmzitate:

„Wer will Nazi sein? Ähh, ich meine Deutscher?“

„Ich weiß nicht, ob man die Deutchen mit jüdischem Glauben als Nazis oder als Juden betrachten soll?“

„Etwas dümmeres als sich selbst zu deportieren gibt es ja wohl nicht.“



Auszeichnungen:

  • Auszeichnung bei dem Cottbuser Festival des osteuropäischen Film 1998
  • Auszeichnung bei dem Sundance Film Festival 1999
  • Auszeichnung bei den Filmfestspielen Venedig 1998



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auf DVD oder Blu-Ray


Weitere Filme von Radu Mihaileanu:

1980: Les quattre saisons
2001: Pygmäen für Film gesucht
2005: Geh und lebe
2009: Das Konzert