Western

Die besten Western

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Konnten die Filmjahre zuvor das Genre in Sachen Style und Internationalität bereichern, scheint 2016 nicht unbedingt als das stärkste Jahr des Westerns in die Film-Geschichte einzugehen. Neben Flop „Jane Got a Gun“, in dem Natalie Portman sich mit Hilfe ihres Ex-Lovers mit einer ganzen Banditen-Gang anlegt, köchelt das Genre auf Sparflamme. Genre-Fans wird dies nicht davon abhalten, sich auf Sequel „Django Lives“ zu freuen, das seit geraumer Zeit in den Startlöchern steht. Zwar darf durchaus bezweifelt werden, dass Franco Nero noch 2016 in die Fußstapfen der wohl berühmtesten Western-Figur zurückkehrt. Allerdings verdichten sich die Vorzeichen, dass Nero in naher Zukunft alle Western-Fans als Django (womöglich ein letztes Mal) beglücken wird.

Darüber hinaus bietet das Jahr mit „Traded“ einen klassischen Western an, in dem ein Vater alles unternimmt, um seine Tochter vor einem alten Widersacher zu beschützen. Kris Kristofferson als kauziger Barkeeper gehört dabei zu den absoluten Highlights des Films von Timothy Woodward Jr., dessen Hollywood-Ruf bis hierhin zumindest ausbaufähig ist. Fans von modernen Western werden dennoch auf ihre Kosten kommen und dürften nicht zuletzt der überzeugenden Darstellung von Trace Adkins etwas abgewinnen können.

Ebenfalls auf dem Western-Zettel steht 2016 „Outlaws and Angels“. Die Story: Eine scheinbar harmlose Familie nimmt eine Gruppe von Outlaws bei sich auf und gewährt diesen für die Nacht Unterschlupf. Doch schon bald entwickeln sich unvorhersehbare Dynamiken und der Zuschauer wird mit ambivalenten Figuren konfrontiert. Als klassisches Kammerspiel orientiert sich der Film dabei an genrefernen Vorbildern und bietet eine äußerst interessante Mischung aus Thriller, Western und Psycho-Drama.

Den Anfang 2015 macht niemand Geringeres als Quentin Tarantino. Mit „The Hateful 8“ serviert der King of Cool ein dialoglastiges Western-Kammerspiel, das zum Großteil an einem Ort spielt. Die Story: Die Kopfgeldjäger Kurt Russell und Samuel L. Jackson stranden während eines Schneesturms gemeinsam mit weiteren windigen Gesellen in einer Holzhütte und müssen die nächsten Tage ausharren. Doch natürlich kommt es bald zu den ersten Reibereien und handfesten Auseinandersetzungen. Gewissermaßen ist der Film so etwas wie „Reservoir Dogs“ im Western-Gewand und spricht damit vor allem Oldschool-Tarantino-Fans an.

In „The Revenant“ stehen hingegen Western-typisch die Rachegelüste eines Einzelnen im Mittelpunkt. Nachdem Leonardo DiCaprio (Oscar für seine Darstellung!) in der Wildnis zurückgelassen wurde, kämpft er sich auf eigene Faust durch das Ödland, um sich an seinen Peinigern zu rächen. Dabei orientiert sich Alejandro González Iñárritu vor allem am existenzialistischen Neo-Western und überzeugt mit teils brachialen Bildern.

Einen ungewöhnlichen Genre-Mix bietet „Bone Tomahawk“. Als seltener Vertreter des Horror-Westerns nimmt der Film von S. Craig Zahler 2015 fraglos eine Sonderstellung ein. Die Story ist indes schnell erzählt: Kurt Russell und Patrick Wilson legen sich mit kanibalistischen Indianern an und müssen dabei so manch gruselige Szene überstehen.

Außerdem interessant: „Slow West“. In dem Neo-Western von John Maclean macht sich Jüngling Jay (Kodi Smit-McPhee) auf den beschwerlichen Weg, seiner ersten großen Liebe hinterherzureisen. Dabei trifft er auf Revolverheld Silas (Michael Fassbender), der gegen entsprechende Bezahlung für schusskräftige Unterstützung sorgt. Bald gerät das ungleiche Paar in ernste Bedrängnis und sorgt in der Umgebung für ernstzunehmende Kollateralschäden.

2014 beginnt mit einem äußerst interessanten Genre-Mix von Andreas Prochaska. Mit Elementen des Westerns und des modernen Heimatfilms erzählt „Das finstere Tal“ die mysteriöse Geschichte von Loner Greider (Sam Riley), der in ein abgelegenes Alpendorf vordringt und sich der Gemeinschaft als Fotograf vorstellt. Doch schon bald mehren sich die Zweifel an Greiders Identität. In düsteren, schweren Bildern erinnert der Film dabei an Werke von Michael Haneke und gehört fraglos zu den anspruchsvolleren Western des Jahres. Wir sagen: Für alle, die sich „Das weiße Band“ als Western vorstellen können, ist „Das finstere Tal“ eine große Entdeckung!

Dramatisch geht es auch in Tommy Lee Jones‘ Western „The Homesman“ zu. Die Story: Farmerin Mary (Hilary Swank) trifft durch Zufall auf George Briggs (Tommy Lee Jones) und rettet ihn vor dem Galgen. Als Gegenleistung für die Hilfe verlangt sie, dass Briggs sie auf der Reise nach Iowa begleitet. Zuvor hatte sich Mary nämlich bereit erklärt, drei psychisch angeschlagene Frauen in eine Methodistengemeinde zu überführen, wo ärztliche und geistliche Hilfe wartet. Gemeinsam macht sich die Gruppe auf den Weg und stößt schon bald auf die ersten Indianer. Jones entwickelt seinen Film dabei als klassisches Drama und nutzt die Westernkulisse symbolträchtig zur Darstellung der allumfassenden Einsamkeit der Figuren. Großes Kino, nichts für zwischendurch!

Weiter geht es abermals mit einem internationalen Vertreter des eigentlich ur-amerikanischen Genres. Im dänischen Spätwestern „The Salvation“ muss Familienvater Jon (Mad Mikkelsen) erleben, wie seine Liebsten einem Banditen-Trupp zum Opfer fallen. In der Folge legt er sich mit der Bande von Colonel Delarue an und beginnt einen persönlichen Rachefeldzug, der die kleine Stadt Black Creek in Mitleidenschaft zieht. Regisseur und einstiger Dogma-Mitbegründer Kristian Levring setzt dabei auf düstere Bilderwelten und serviert 2013 ein absolutes Genre-Highlight.

„Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski präsentiert mit „Lone Ranger“ einen actiongeladenen Western, der nicht zufällig eben an „Fluch der Karibik“ erinnert. Neben comicähnlicher Action steht neben dem eigentlichen Lone Ranger (Armie Hammer) nämlich nicht zuletzt Johnny Depp als Indianer-Sidekick Tonto im Mittelpunkt. Dabei wirkt Tonto wie die Western-Version von Jack Sparrow und zeichnet letztlich für die meisten Lacher verantwortlich. So funktioniert „Lone Ranger“ vornehmlich als Western-Buddy-Movie, das unterhaltsamer kaum sein könnte. Denn nach kurzer Einführung bietet der Film im Minutentakt witzige Sprüche und funkensprühende Action. „Fluch der Karibik“ im Wilden Westen eben.

Kontrastprogramm liefert 2013 die deutsche Produktion „Gold“ von Thomas Arslan. Die Story: Im Zuge des Goldrausches macht sich eine Gruppe von deutschstämmigen Goldsuchern auf den Weg durch unerschlossene Wildnis zum weit entfernten Gebiet des Klondike Rivers und hofft auf baldigen Reichtum. Der Gruppe schließt sich die Einwanderin Emily (Nina Hoss) an und muss bald mit den rauen Sitten der Gruppe Bekanntschaft machen. Der naturalistische Western überzeugt mit grandios-realistischen Landschaftsaufnahmen und zeigt den Wilden Westen als beschwerlichen Kampf mit der Natur (des Menschen). Für Arthaus-Fans fraglos DER Western des Jahres 2013.

Wesentlich bleihaltiger geht es dann wieder in „Sweetwater“ zur Sache. Im Western von Logan Miller geht January Jones als Ex-Prostituierte auf einen blutigen Rachefeldzug gegen Jason Isaacs und seine Bande. Dabei erinnert der Film nicht zuletzt in seiner Farbgebung an Tarantinos „Kill Bill“ und funktioniert somit als genreironischer Neo-Western. Stylische Action-Sequenzen und der Spaß an der Übertreibung stehen klar im Mittelpunkt. Daher dürften vor allem Freunde des virtuos choreographierten Krach und Bumm voll auf ihre Kosten kommen.