Edward Norton

Edward Norton
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Mit der Rolle als Aaron Stampler in Gregory Hoblits „Zwielicht” feierte Norton Mitte der 90er Jahre seinen Durchbruch. Es folgten vielbeachtete Hauptrollen im Neo-Nazi-Drama „American History X” und in David Finchers „Fight Club”. Ende der 90er Jahre galt Norton als Nachfolger von Hollywood-Größen wie Robert De Niro und Al Pacino.

2001 spielte er an der Seite von Robert De Niro und Marlon Brando in „The Score”, was als Zusammentreffen der besten Schauspieler ihrer jeweiligen Generation gefeiert wurde. In den Folgejahren konnte Norton allerdings nicht mehr an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen. Im vergangenen Jahrzehnt spielte er zwar in kommerziell erfolgreichen Filmen wie „Der unglaubliche Hulk” mit, konnte allerdings im Charakterfach kaum noch überzeugen. Bis heute hat Norton das Attribut des Aushängeschildes seiner Darsteller-Generation wieder eingebüßt.

Steckbrief

Richtiger Name:Edward Harrison Norton
Geburtstag:18. August 1969
Sternzeichen:Löwe
Größe:1.83 m
Kinder:Atlas (*2013)
Ex-Partner:Courtney Love (1996-1999) und Salma Hayek
Geburtsort:Boston, Massachusetts, USA
Bekannt aus:Fight Club, Grand Budapest Hotel, Birdman, uvm.

Die 5 besten Filme mit Edward Norton

1. Birdman

Erstens: Ein etwas abgehalfterter Schauspieler, der mit seiner Rolle gezielt auf seine eigene Karriere-Problematik Bezug nimmt und gewissermaßen eine Meta-Darstellung seiner selbst gibt? Woran erinnert das bloß? Achja: „The Wrestler” mit Mickey Rourke von Darren Aronofsky. Zweitens: Eine Steadicam-lastige Inszenierung, die sich Indie-mäßig auf den Hauptdarsteller konzentriert? Wieder: „The Wrestler”. Drittens: Eine Hauptfigur, die von Visionen ihres Über-Ichs heimgesucht wird? Dieses Mal: „Black Swan” von Aronofsky. Will uns Alejandro González Inárritu mit „Birdman” also zeigen, dass Darren Aronofsky zuletzt ein paar ganz interessante Ideen hatte? Das dann wohl eher nicht! Denn „Birdman” erinnert trotz vermeintlicher Gemeinsamkeiten kaum an einen echten Aronofsky.

Michael Keatons Meta-Verarbeitung seiner einstigen Batman-Karriere funktioniert zumeist nämlich weniger als existenzielle Aufarbeitung eines in der Auflösung begriffenen Lebens, sondern ist vielmehr – etwas überraschend – ein Stück handfeste schwarze Komödie. Während „The Wrestler” und „Black Swan” aus bleischweren Geschützen feuern, ist „Birdman” eine ordentliche Prise Wes Anderson beigemischt, die Inárritus durchaus melancholischen Ansatz erfrischend auflockert. Und bei derart vorzüglich ausgewählten Zutaten ist es dann auch kein Wunder, dass 2015 der Oscar als bester Film serviert wurde und „Birdman” überhaupt zu den ganz großen Filmen des Jahres zählt. Michael Keaton kann demnach auch ohne eigenen Oscar mehr als zufrieden sein – Mickey Rourke weiß da Bescheid.

Interessierten Cineasten können sich im Übrigen einen Spaß daraus machen und die sichtbaren Schnitte des Films zählen. Viel Spaß und Erfolg!

2. The Illusionist

Dieser Film ist trotz seiner hochkarätigen Besetzung alles andere als eine typische Hollywood-Produktion: Nicht die Rivalität der beiden Männer, im Kampf um die Herzogin, stellen das Interessante an dieser Produktion da. Vielmehr ist es der nostalgische Beigeschmack von Eisenheims Zaubervorführungen, die den Zuschauer in das Wien des 19. Jahrhunderts schicken und somit die Brücke zum Historienfilm schlagen. Zaubertricks, neben denen ein Copperfield blass aussehen würde, und die besondere Filmatmosphäre, die den Zuschauer nie wirklich aufklärt, nie den feinen Unterschied zwischen Realität und Illusion zeigt, ziehen den Zuschauer gleichermaßen in seinen Bann.

Wir sind somit nichts anderes als das Publikum Eisenheims im Film: erstaunt und wissensbegierig. Schauspielerisch gibt es hervorragende Charakterstudien, die Oscar-verdächtig von Edward Norton und Paul Giamatti (in der Rolle des Chefinspekteurs) umgesetzt werden. Neben der Erzählung thematisiert der Film auch das Medium Film an sich, nicht zuletzt da die Handlung in der Anfangszeit des Kinos spielt. Das Thema „Illusion“ spiegelt sich sowohl inhaltlich als auch formal im Film wieder, ohne den Zuschauer allzu sehr anzustrengen und somit den Weg für zwei Stunden herausragendes und vor allem alternatives Hollywoodkino zu ebnen.

3. 25 Stunden

„25 Stunden“ ist eine Charakterstudie der ganz besonderen Sorte. Denn anstatt eines geläuterten Ex-Drogendealers, der vor dem Antritt seiner Haftstrafe seine Wandlung zur Schau stellt, präsentiert Regisseur Spike Lee eine differenziertere Sicht der Dinge. Denn Monty selbst weiß so kurz vor seinem Gefängnisaufenthalt noch nicht so recht, wo er eigentlich steht. Und so gerät die Verabschiedung von seinen Freunden und Geschäftspartnern zu einer Reise zu sich selbst, die am Ende eine letzte große Versuchung offenbart, der entgegnet werden muss.

Denn wenn am Ende des Films der Vater seinem Sohn zur Flucht verhelfen will, dann ist dieser nicht abgeneigt – doch unschlüssig. Dabei kommt der Film ohne jede Vorverurteilung aus, aber schlägt sich genauso wenig auf die Seite des Protagonisten. Vielmehr präsentiert „25 Stunden“ eine durchaus objektiv zu betrachtende Abschiedsvorstellung, deren moralische Bewertung letztendlich dem Zuschauer überlassen wird. Trotz zurückhaltender Inszenierung weiß der Film dennoch bestens zu unterhalten und gehört daher zu den interessantesten Werken von Spike Lee, was beweist, dass er auch die eher leisen Töne beherrscht.

Mit einem Edward Norton in einem seiner besten Filme und einer Reihe hochklassiger Nebendarsteller kann „25 Stunden“ bis ins kleinste Detail überzeugen. Da der Film aber wie erwähnt eher in ruhigeren Fahrwässern Zuhause ist, benötigt es einen passenden Abend, damit die letzten freien Stunden des Monty Brogan ihre volle Wirkung erzielen können.

4. Moonrise Kingdom

Anarcho-Regisseur Wes Anderson hat es mal wieder geschafft. „Moonrise Kingdom“ reiht sich nahtlos in die Filmographie des US-amerikanischen Regisseurs ein, welche vor kleinen bis mittelgroßen Meisterwerken nur so strotzt und insbesondere für Freunde des verqueren Humors ein sich stetig weiterentwickelndes Heiligtum bedeutet. Dabei reicht bereits ein Blick auf die spezielle Cast-Zusammenstellung aus, um Andersons ganz eigene Sichtweise auf die Filmwelt zu offenbaren. Denn während die jugendlichen Hauptdarsteller mit „Moonrise Kingdom“ ihren ersten Schritt überhaupt auf der großen Film-Bühne gehen durften, darf sich der Zuschauer auf eine Nebendarsteller-Riege der bekannteren Art freuen.

Neben Anderson-Spezi Bill Murray machen nämlich noch Hollywood-Größen wie Bruce Willis, Edward Norton, Frances McDormand, Tilda Swinton, Harvey Keitel und Jason Schwarztman ihre spielfreudige Aufwartung. Dass sämtliche Schauspieler mit zumeist kuriosen Einlagen glänzen können, versteht sich von selbst, untergräbt allerdings zu keinem Zeitpunkt den Anderson-typischen melancholisch angehauchten Grundtenor des Films. Denn trotz der absurden Charaktere und der noch absurderen Plot-Wendungen bleibt „Moonrise Kingdom“ eine zu Herzen gehende Tragikomödie, in der herrlich naiv agierende Protagonisten nach dem ersten großen Glück ihres Lebens Ausschau halten. In diesem Sinne funktioniert der Film als skurril-sympathisches Coming-of-Age-Drama, das von niemand anderem gestaltet hätte werden können als eben von Sub-Genre-Genie Wes Anderson.

Ohne klebrige Übertreibung und ohne Wes-Anderson-Brille auf der Cineasten-Nase kann getrost die Behauptung aufgestellt werden, dass „Moonrise Kingdom“ zu den großen Highlights des Filmjahres 2012 gehört. Gleichzeitig gehört der Film damit zu den reizvollsten US-Produktionen der angebrochenen zweiten Filmdekade dieses Jahrtausends.

5. American History X

Wohl nur wenige Hollywood-Filme erregten in den 90er Jahren derart viel Aufsehen wie Tony Kays „American History X“. Der Film scheut sich nämlich nicht davor, seiner Thematik offensiv zu begegnen und schreckt dabei auch nicht vor brutalen Szenen zurück, die sich bis heute ins allgemeine Filmgedächtnis eingebrannt haben. Dank Handkamera und nach Independent-Produktion riechender Inszenierung hebt sich der Film wohltuend vom Mainstream-Einerlei des US-amerikanischen Kinos ab und kommt wie ein ambitioniertes, aber zu keinem Zeitpunkt überfrachtet wirkendes Drama daher.

Mit Edward Norton und Edward Furlong übernehmen zudem zwei Ausnahmetalente die Hauptrollen und zeigen insbesondere im direkten Zusammenspiel eine erinnerungswürdige Vorstellung. Kays durchaus etwas gewöhnungsbedürftiger Stil spricht dabei vor allem Cineasten jüngeren Alters an, wobei die Kritik, der Regisseur habe ohne Rücksicht auf (qualitative) Verluste versucht, ein ernstzunehmendes Neonazi-Drama in MTV-Optik zu gestalten, natürlich nur unzureichend zutrifft. Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich „American History X“ stets um einen eigenen, durchaus plakativ anmutenden Stil bemüht und daher nicht frei von Kritik bleiben kann.

Galten Edward Norton und Edward Furlong in den 90er Jahren noch als Größen ihrer Schauspieler-Generation, ist es im letzten Jahrzehnt um beide beängstigend ruhig geworden. Während Furlong mehr mit Drogen- als mit Drehproblemen zu kämpfen hatte, konnte Norton seine Erfolge aus den 90er Jahren nicht bestätigen und gilt heute als abgestürztes Talent. Immerhin bleibt mit „American History X“ ein ewiger Beweis ihres schauspielerischen Vermögens.

Filmografie: Alle Filme von Edward Norton

1994: Only in America
1996: Zwielicht
1996: Larry Flynt – Die nackte Wahrheit
1996: Alle sagen: I love you
1998: Rounders
1998: American History X
1999: Fight Club
2000: Glauben ist Alles!
2001: Catch Her in the Eye
2001: The Score
2002: Tötet Smoochy
2002: Frida
2002: Roter Drache
2002: 25 Stunden
2003: The Italian Job – Jagd auf Millionen
2004: After the Sunset
2005: Königreich der Himmel
2005: Down in the Valley
2006: The Illusionist
2006: Der bunte Schleier
2008: Der unglaubliche Hulk
2008: Das Gesetz der Ehre
2009: Leaves Of Grass
2009: Lügen macht erfinderisch
2010: Stone
2012: Moonrise Kingdom
2012: Der Diktator
2012: Das Bourne Vermächtnis
2014: Grand Budapest Hotel
2014: Birdman
2016: Verborgene Schönheit
2018: Isle of Dogs – Ataris Reise (Isle of Dogs, Stimme)
2019: Alita: Battle Angel
2019: Motherless Brooklyn

5 Dinge, die du noch nicht über Edward Norton wusstest

1. Hollywoods Allroundtalent

Mit Schauspielerei ist der gebürtige Bostoner nicht annähernd ausgelastet: Ende der 80er studierte er Geschichte und Japanisch in Yale, arbeitete im Anschluss einige Jahre für die gemeinnützige Gesellschaft seines Großvaters in Osaka. Zurück in den USA, vervollständigte er seine Method-Acting-Kenntnisse und absolvierte nebenbei die Ausbildungen zum Kameramann und Cutter. Seit dem Anbeginn seiner Karriere nutzt Norton zudem seine Popularität, um den Umwelt- und Tierschutz voranzutreiben. Der damalige Uno-Generalsekretär Ki-Moon ernannte ihn 2010 sogar zum Sonderbotschafter für Biodiversität.

Regie führte Norton bei den beiden Filmen “Glauben ist alles!” (2000) und “Motherless Brooklyn” aus dem Jhr 2019.

2. Notlösung mit Sprengpotential

Das Rassismus-Drama “American History X” zählt zu den prägendsten Filmwerken des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Regisseur Kaye hatte eigentlich den späteren Oscarpreisträger Joaquin Phoenix als Hauptdarsteller verpflichten wollen. Letztlich musste er sich mit Norton anfreunden, weil sich bis zum Drehstart “niemand Besseres gemeldet hatte”. Die Entscheidung sollte er bereuen: Kayes Postproduktion verlief schleppend. Edward übergab dem Studio auf Eigeninitiative seine fertige Cut-Version und bekam prompt die Zusage für die Ausstrahlung auf dem Toronto Film Festival. Der Regisseur verlangte daraufhin Schadensersatz in Höhe von 200 Mio. Dollar, zog vor Gericht aber erneut den Kürzeren.

3. Die verhinderte Blockbuster-Karriere

Norton heftet in Hollywood der Ruf der launischen Diva an. In “Birdman” spielte er sich gewissermaßen selbst. Die Vorurteile bestätigten sich, als er zu Beginn der Comic-Welle die Hauptrolle in “Hulk” übernahm: Marvel-Chef Feige hatte dem Star bezüglich der kreativen Entscheidungen ein gewisses Mitspracherecht eingeräumt. Dass Edward als Hulk-Fan den düsteren Stil von Nolans “Batman”-Trilogie anstrebte, war aber nicht eingeplant. Hitzige Diskussionen hinter den Kulissen führten schließlich dazu, dass Marvel den Folgevertrag für “The Avengers” aufkündigte und seitdem den pflegeleichten Mark Ruffalo als grünes Wutmonster einsetzt.

4. Baywatch live

Dass Hollywoodstars nicht nur auf der Leinwand heldenhaft agieren können, beweist die folgende Episode: Norton drehte 2010 im Verbund mit Leonardo DiCaprio eine Dokumentation zum Klimawandel. Vor den Galapagosinseln stand ein Tauchgang mit Ozeanographen auf dem Programm. Edward verfügt über reichlich Erfahrung auf dem Gebiet und machte sich Sorgen um seinen langjährigen Freund, der einer Gruppe von Adlerrochen folgte, obwohl sein Sauerstoff langsam zur Neige ging. Leo ging auch prompt das lebenspendende Gas aus, sodass Edward seine Flasche beim Auftauchen mit ihm teilen musste. Ohne Nortons beherztes Eingreifen hätte die Situation tatsächlich lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können.

5. Selbstverwirklichung mit politischem Bewusstsein

In der ersten Dekade des dritten Jahrtausends setzte die Kinobranche neue Maßstäbe in Sachen Qualität. Mit dem Auftauchen der 3D-Technik änderte sich das Sehverhalten der Zuschauer, sodass die großen Geschichten inzwischen vom Pay-TV und den Streaminganbietern realisiert werden. Norton ging nicht den Weg, den viele seiner Kollegen einschlugen, und gründete im Verbund mit Stuart Blumberg (Autor und Regisseur), Silvana Tropea (Geschäftsführerin) und Bill Migliore (Produzent) seine eigene Produktionsgesellschaft. Class 5 Films startete mit einer HBO-Dokumentation über Obamas Amtseinführung und verwirklichte in der Folge vier Kinofilme. In dreien davon übernahm Edward die Hauptrolle.

Auszeichnungen

Oscar

  • 1997: Nominierung als Bester Nebendarsteller für den Film “Zwielicht”
  • 1999: Nominierung als Bester Hauptdarsteller für den Film “American History X”
  • 2015: Nominierung als Bester Nebendarsteller für den Film “Birdman”